Ort: Johannes-Gutenberg Universität, Philosophicum, Raum P203
Zeit: 19 Uhr

Erinnerungskultur und Geschichtspolitik

Referenten: Tobias von Borcke und Jennifer Tack (Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V.)

Während des Nationalsozialismus wurden als „Zigeuner“ klassifizierte Menschen systematisch ausgegrenzt und entrechtet, schließlich zu Hunderttausenden ermordet. Diesen rassistisch motivierten Völkermord erkannte die deutsche Politik erst 1982 offiziell als solchen an. Das geplante zentrale Mahnmal zur Erinnerung an die Ermordeten harrt in Berlin bis heute seiner Fertigstellung.
Der Vortrag wird zunächst der Frage nachgehen, wie ein fortbestehender Antiziganismus und der Umgang der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft mit diesem Teil ihrer Vergangenheit zusammenhängen. Die politische Anerkennung der begangenen Verbrechen in den 1980er Jahren ging dabei weniger auf die späte Einsicht der Mehrheitsgesellschaft als auf das Engagement der Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma zurück.
Im zweiten Teil des Vortrages wird die Erinnerungskultur anhand des Mahnmals genauer durchleuchtet. Die Idee des Mahnmals wurde Ende der 1980er Jahre erstmals öffentlich diskutiert. Anhand der verschiedenen Phasen innerhalb der Auseinandersetzung soll der antiziganistische Gehalt der Öffentlichkeit, der Politik und der Medien analysiert werden.